Fortuna Langbroich 1920
Der Fußball-Club Fortuna Langbroich, einer der beiden Vereine, aus denen die heutige Spielvereinigung hervorgegangen ist, wurde am 10. Mai 1920 gegründet. Bei der Gründung und dem Aufbau dieses ersten Fußballvereins erwarben sich Rechtsanwalt Josef Palmen, Franz Dorry und der an den Folgen des 2. Weltkrieges verstorbene Arnold Hennes besondere Verdienste. Zusammen mit ihren Sportkameraden erbrachten sie nicht unerhebliche Opfer an Geld und vor allem an Zeit, um einen lebensfähigen Verein auf die Beine zu stellen und der sportbegeisterten Jugend Gelegenheit zu geben, an einem geordneten Spielbetrieb teilzunehmen. Nach mehreren vorhergegangenen Trainingsspielen wurde das erste Spiel unter Wettkampfbedingungen in Hoengen (Selfkant) ausgetragen. Die Mannschaft trat zu diesem Spiel nach einem anstrengenden Fußmarsch durch das Bruch in einer neuen Tracht an. Ein unerwarteter, später noch oft belächelter Zwischenfall ließ nicht lange auf sich warten. Die Fußballhosen waren ihrer ersten harten Belastungsprobe nicht gewachsen, und schon vor der Halbzeit war mancher Spieler gezwungen, sich unter dem Beifall der Zuschauer nach einer neuen Hose umzusehen. Soweit heute noch feststellbar, waren in den ersten Jahren der Vereinsgeschichte insbesondere folgende Spieler aktiv: Stefan Baum, die Gebrüder Anton und Peter Degen, Franz Dorry, Heinrich Heckels, Arnold Hennes, Josef Jakobs, Alfons Jansen, Heinrich Jansen, Theo Knarren, Martin Nießen, die Gebrüder Hubert, Richard und Leo Schaps, Richard Schlebusch und last not least die Gebrüder Franz und Johann Ubachs. Ständiger Mannschaftsbegleiter war Fritz Mevissen. Diese Namen waren damals für die gesamte Dorfjugend und nicht nur für sie ein Begriff.
im Jahre 1920
Von links stehend: Fritz Mevissen, Johann Libachs, Hubert Schaps, Franz Dorry,Heinrich Heckels, Franz Ubachs, Arnold Hennes, Richard Schaps, Gerhard Görtz, Alfons Jansen.
Liegend: Stefan Baum, Heinrich Knarren.
Zu einem Fußballverein gehört notwendigerweise ein Sportplatz. Die Fortunen waren daher von Anfang an bemüht, ein geeignetes Sportgelände zu erhalten. Ohne Unterstützung öffentlicher Stellen waren sie auf sich selbst angewiesen und mußten alles aus eigener Kraft schaffen. Die ersten Spiele wurden auf dem notdürftig hergerichteten Platz „op der Jemende" ausgetragen. Vorübergehend wurde dem Verein dann von Leonard Ohlenforst die Wiese zur Verfügung gestellt, auf der heute unser Vereinslokal „Haus Hennes" steht. Hier gelangte auch 1921 das erste Fußballturnier des Vereins zum Austrag. Schließlich wurde dann von allen Vereinsmitgliedern in unzähligen Arbeitsstunden der Platz an der Sandgrube „op der Jemende" endgültig ausgebaut. Dieser Platz wurde in den folgenden Jahren Zeuge vieler spannender Fußballspiele, mehrerer Sportfeste mit Leichtathletikveranstaltungen und einiger harter Lokalkämpfe, die nach 90 Minuten noch nicht zu Ende waren.
Im Jahre 1926 war die erste ernsthafte Vereinskrise nicht mehr abzuwenden. Der Spielermangel führte dazu, daß der Spielbetrieb vorübergehend eingestellt werden mußte. Aber schon 1928 war der Verein innerhalb der Deutschen Jugendkraft (DJK) wieder aktiv. Vorstandsmitglieder waren — soweit bekannt — Wilhelm Nießen (Mattese Will), Peter Gossen und Richard Horrichs. Als Spieler waren unter anderem dabei: Willi Büchers, Leo Doomen, Leo Gehlen, Heinrich (Jakob) Gerhards, Alfons Goertz, Josef Grein, die Gebrüder Alfons und Otto Grotthaus, Anton Jansen, Heinrich Jansen, die Gebrüder Alfons und Heinrich Jansen, die Gebrüder Lambert und Leo Jansen, die Gebrüder Gerhard und Johann Lauge, Willi Kranz, Josef Krings, Heinrich Nießen, Jakob Nießen, Leo Ronkartz, Leo Schlebusch, Robert Schmitz sowie die Gebrüder Johann und Josef Ubachs. Das Jahr 1932 brachte einen sportlichen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Zur Frühjahrskirmes trat der Meidericher Spielverein zu einem Freundschaftsspiel auf unserem Platz an. Die Mannschaften verstanden sich im Spiel und nachher ausgezeichnet. Die damals angeknüpften freundschaftlichen Beziehungen zum MSV haben nicht zuletzt infolge der vorbildlichen Vermittlungstätigkeit unseres alten Spielers Robert Schmitz sogar den 2. Weltkrieg überstanden; sie konnten durch ein Hin- und Rückspiel in den Nachkriegsjahren noch weiter vertieft werden. Im Spieljahr 1933/1934 erreichte die 1. Mannschaft nach schweren, aber erfolgreichen Meisterschaftsspielen den Aufstieg in die Gauliga. In der neuen und für die Fortuna ungewohnten Umgebung wurden nur zwei Pflichtspiele gegen Sparta Würselen und Ekkehard Baesweiler ausgetragen. Dann wurde 1934 im Zuge der Gleichschaltung durch die damalige Reichssportführung die Deutsche Jugendkraft in totaler Verkennung ihrer vorbildlichen Arbeit für das gesamte Volk aufgelöst.
Das Verbot der DJK brachte den Spielbetrieb der Fortunen für eine lange Zeit zum Erliegen. Zwar wurde 1935 der Versuch unternommen, mit der Westwacht Schierwaldenrath eine Spielvereinigung zu bilden. Dieses Modell der zur Zeit bestehenden Spielvereinigung blieb aber nicht mehr als ein Versuch, da nach etwa einem Jahr der Spielbetrieb erneut eingestellt werden musste. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 war die sportliche Betätigung der Dorfbewohner darauf beschränkt, dass einige Spieler u. a. Alfons Goertz, Willi Kranz und Jakob Nießen bei Vereinen in den Nachbarorten dem runden Leder nachjagten. Der zweite Weltkrieg bedeutete das endgültige Aus für den gesamten Sportbetrieb unseres Heimatdorfes.
Nach Kriegsende fanden sich schon bald heimgekehrte Soldaten, die auch in fremden Ländern und in den furchtbaren Schlachten des Krieges ihren geliebten Fußballsport nicht vergessen hatten, mit den aus der Evakuierung zurückgekehrten alten und jungen Sportbegeisterten zusammen, um die Fortuna zu neuem Leben zu erwecken. Im Oktober 1945 wurde der 1. Nachkriegsvorsitzende gewählt: Willi Kranz. Wenige Tage später wurde das erste Spiel beim damaligen Lokalrivalen Schierwaldenrath ausgetragen. Das erste Heimspiel fand an der Herbstkirmes 1945 statt. Nicht zuletzt dank der großartigen Unterstützung des gesamten Dorfes nahm der Fußballsport in der folgenden Zeit einen ungeahnten Aufschwung. Als Spieler waren u. a. aktiv: die Gebrüder Willi und Leo Kranz, Josef und Heinz Nyhsen, Anton und Willi Goertz, Leo und Franz Ronkartz, Leo und Martin van Heel, Leo Preußen, Leo Nießen, Jakob Nießen, Gerhard Laugs, Ernst Lennartz, Josef Übachs, Matthias Mevissen, Matthias Übachs, Robert Schmitz, Heinz Jochims, Josef Nießen (Löre Jöf), Leo Krings, Joachim Paulzen, Leo Sonnenschein, die Gebrüder Johann, Josef und Peter Nießen (Wölmkes), Leo Grein, Josef Achten und Hermann Breuer.
im Jahre 1945/46
Von links stehend: Leo
Ronkartz, Anton Görtz, Gerhard Laugs, Heinz Nyhsen, Jakob Nießen.Kniend: Willi Görtz, Josef
Nyhsen und Josef Übachs.Sitzend: Willi Kranz, Leo
Preußen und Leo Kranz.
Die Nachkriegsverhältnisse wirkten sich entgegen allen Erwartungen auf den Sportbetrieb in unserer engeren Heimat sehr fördernd aus. Die Menschen, die den schrecklichen Krieg vergessen und mit den nicht einfachen Nachkriegsverhältnissen fertig werden wollten, waren für jede Abwechslung und für jede Möglichkeit der Entspannung dankbar. In dieser Zeit gewann der Fußballsport gerade in den Selfkantdörfern viele neue Anhänger, die sich entweder aktiv am Spiel- betrieb beteiligten oder als Zuschauer ihre Mannschaft bei den harten, aber auch schönen Lokalkämpfen mit den Nachbarvereinen unterstützten. Die Fortunen erwarben sich durch ihre sportlichen Erfolge im Sportkreis Heinsberg einen guten Ruf; sie waren für keinen Verein der näheren und weiteren Umgebung ein leicht zu nehmender Gegner. Der Platz auf den Wiesen von Leonard Ohlenforst war von allen gefürchtet; es bedurfte schon einer besonderen Leistung, um von Langbroich aus die Heimreise mit zwei Punkten antreten zu können.
Nachfolger des 1. Vorsitzenden Willi Kranz, der 1949 infolge seiner Verheiratung nach Hastenrath zog, wurde Josef Nießen, Harzelt (Mattese Jöf). Bei seinem Amtsantritt war die große Begeisterung der ersten Nachkriegsjahre für den Fußballsport schon im Abklingen. Die Währungsreform führte zu einer ständigen Verbesserung des Lebensstandards der gesamten Bevölkerung. Die im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders immer mehr um sich greifende Motorisierung erschloss auch für die kleinen Selfkantdörfer die große Welt. Entfernungen spielten kaum eine Rolle; die Großstädte mit all ihren Vorzügen aber auch all ihren Gefahren waren in wenigen Stunden zu erreichen, sie boten mehr, als ein kleines Dorf geben konnte. Die Veränderung der Lebensformen brachte für fast alle Dorfvereine erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Die Nachwuchssorgen wurden größer, die Kassenbestände kleiner.
In der Spielzeit 1951/52 fanden sich verantwortungsbewusste Männer aus Langbroich-Harzelt und Schierwaldenrath zusammen, um die ersten Verhandlungen über die Bildung einer Spielvereinigung der Fortuna Langbroich mit der Westwacht Schierwaldenrath zu führen.